Regulierungen
Ein Überblick über die wichtigsten Regulierungen der Europäischen Union zu Micro-Credentials, digitalen Nachweisen und Vertrauensdiensten.
Definitionen
Micro-Credential
Ein Nachweis über die Lernergebnisse, die ein Lernender nach Absolvierung eines geringen Lernumfangs erworben hat. Diese Lernergebnisse wurden anhand transparenter und klar definierter Kriterien bewertet. Lernaktivitäten, die zu Micro-Credentials führen, sind darauf ausgelegt, dem Lernenden spezifisches Wissen, Fähigkeiten und Kompetenzen zu vermitteln, die gesellschaftlichen, persönlichen, kulturellen oder arbeitsmarktbezogenen Bedürfnissen entsprechen. Micro-Credentials gehören dem Lernenden, sind teilbar und übertragbar. Sie können eigenständig sein oder zu größeren Nachweisen zusammengefasst werden.
Micro-Credential
Nachweis über den Erwerb bestimmter Fähigkeiten -- was jemand kann. Ein inhaltliches Konzept, unabhängig vom Format.
Digitaler Nachweis
Ein spezifisches technisches Format (z. B. EDC) -- wie der Micro-Credential ausgestellt, gesiegelt und verifiziert wird.
Die Begriffe „Micro-Credential“ und „digitaler Nachweis“ werden manchmal synonym verwendet, obwohl sie Unterschiedliches bedeuten -- der erste bezieht sich auf den Inhalt, der zweite auf das Format. Gelegentlich begegnet man auch dem Begriff „Mikroqualifikation“ -- er ist ein Synonym für Micro-Credential.
European Digital Credentials for Learning
Der EU-Standard für digitale Lernnachweise
EDC ist der europäische Standard für digitale Bildungsnachweise, basierend auf W3C Verifiable Credentials. Entwickelt von der Europäischen Kommission als Teil der Europass-Plattform, bietet er ein einheitliches System für die Ausstellung, Verifizierung und Anerkennung von Nachweisen und unterstützt die Mobilität von Lernenden, Studierenden und Arbeitnehmern in der gesamten EU.
Ein European Digital Credential for Learning (EDC) ist eine verifizierbare digitale Version eines traditionellen Dokuments, das von einer Bildungseinrichtung an einen Lernenden ausgestellt wird, um dessen Lernerfolge zu dokumentieren. Es kann sich um ein Diplom, ein Schulungszertifikat, einen Micro-Credential, eine Teilnahmebestätigung usw. handeln. Europäische digitale Nachweise werden in allen EU-Sprachen und den im Europass-System verfügbaren Sprachen ausgestellt und sind mit einem elektronischen Siegel (einer Art digitaler Signatur einer vertrauenswürdigen Institution) versehen.
Quelle: europass.europa.eu -- EDC
Open Badges
Ein globaler Standard für digitale Badges -- außerhalb des EU-Rechtsrahmens
Open Badges ist ein Standard, der von 1EdTech (ehemals IMS Global) entwickelt wurde. Version 3.0 verwendet das W3C Verifiable Credentials-Datenmodell -- dieselbe technische Grundlage wie EDC. Trotz dieses gemeinsamen Elements sind Open Badges nicht dasselbe wie EDC und unterscheiden sich in wesentlichen Aspekten.
EDC
Erfordert ein qualifiziertes elektronisches Siegel (qSeal) gemäß eIDAS. Verwendet das European Learning Model (ELM). Anerkannt im Rahmen der EU-Regulierungen. Ausstellung über die Europass-Infrastruktur.
Open Badges
Erfordert kein qualifiziertes elektronisches Siegel. Verwendet ein eigenes Metadatenmodell. Nicht von EU-Regulierungen erfasst oder in Ratsempfehlungen oder Verordnungen erwähnt.
Risiken bei der Implementierung von Open Badges anstelle von EDC
Open Badges ist kein „schlechter“ oder verbotener Standard -- er wird weltweit häufig eingesetzt, insbesondere in der non-formalen Bildung. Im Kontext der EU-Regulierungen, der eIDAS-Konformität und der zukünftigen Integration mit dem EUDI Wallet (European Digital Identity Wallet) ist er jedoch keine Alternative zu EDC.
Quellen: 1EdTech -- Open Badges · EDC vs Open Badges -- Skills4EOSC-Analyse (2025)
eIDAS
Elektronische Identifizierung und Vertrauensdienste
Die eIDAS-Verordnung bildet die rechtliche und technische Grundlage, auf der die European Digital Credentials for Learning aufgebaut sind. Hier sind die drei zentralen Säulen:
Qualifizierte Signaturen und Siegel
EDC verwendet qualifizierte elektronische Signaturen und Siegel gemäß eIDAS. Dadurch wird sichergestellt, dass Nachweise rechtlich bindend sind und in allen EU-Mitgliedstaaten anerkannt werden.
Vertrauensdienste
EDC stützt sich auf die in eIDAS definierten Vertrauensdienste -- Erstellung, Verifizierung und Aufbewahrung elektronischer Signaturen. Dies erhöht die Sicherheit und Integrität digitaler Nachweise.
Integration mit eIDAS 2.0
Die eIDAS-2.0-Verordnung (EU 2024/1183), die seit Mai 2024 in Kraft ist, führt das EUDI Wallet (European Digital Identity Wallet) ein, in dem auch digitale Bildungsnachweise gespeichert werden können -- mit vollständiger EDC-Integration.
Quelle: Verordnung (EU) 2024/1183 vom 11. April 2024 (eIDAS 2.0) -- in Kraft seit 20. Mai 2024.
Warum ein EDC-konformes System wählen?
Die eIDAS-2.0-Verordnung (EU 2024/1183) verpflichtet die Mitgliedstaaten, das EUDI Wallet (European Digital Identity Wallet) bereitzustellen. Nationale Implementierungen werden die Speicherung und Verwaltung digitaler EDC-Nachweise ermöglichen.
Standardkonformität
EDC erfüllt die technischen und rechtlichen Anforderungen von eIDAS / eIDAS 2.0 -- interoperabel und anerkannt in der gesamten EU.
Wallet-Import
Bestehende EDC-Nachweise können direkt importiert werden in das EUDI Wallet (European Digital Identity Wallet).
Sicherheit
Fortschrittliche kryptographische Technologien -- eIDAS-Signaturen und -Siegel garantieren Authentizität und Unveränderlichkeit.
EUDI Wallet (European Digital Identity Wallet)
Das EUDI Wallet wird als offizielle europäische digitale Identitäts-Wallet gemäß eIDAS 2.0 entwickelt. Jeder EU-Mitgliedstaat wird seine eigene nationale Implementierung bereitstellen. Das Wallet soll die Speicherung von Diplomen und Bildungszertifikaten unterstützen -- Nutzer werden EDC-Nachweise direkt in der App importieren und verwalten können.
Möchten Sie digitale Nachweise ausstellen?
Schließen Sie sich den Institutionen an, die Credentium bereits nutzen -- ein Micro-Credential-System, das den europäischen Standards entspricht.